Vorwort. Die Absicht ist, die Entwicklung unseres Dorfes in Chronologischer Reihenfolge darzustellen. Für Recherchen und Nachforschungen waren die Zeit und die Ressourcen zu knapp, darum ist ein Grossteil der Informationen aus dem "Degersheimer Buch" und aus der Familiengeschichte "Die Gehrig von Magdenau - Degersheim" entnommen.
Vorzeit. Noch vor der Eiszeit lebten in der Ostschweiz bereits Menschen , der Neandertaler und Cromagnonmensch. Im Wildkirchli im Alpstein und im Drachenloch bei Vättis einer Höhle, sind Funde ihrer Kultur. Während der Eiszeit Lebten diese zwei Rassen als Sammler und Jäger. Nach dem ende der Eiszeit sind alle Spuren derdamaligen Bewohner verschwunden. Während der Bronzezeit ca. 2500 bis 800 Jahre v. Chr. erschloss der Moderne Mensch unsere Region.Während dieser Zeit besiedelten die Rätier die ostschweizerischen Gebiete. Diese wurden von den Kelten verdrängt, die von der Nordostschweiz eindrangen und sich im Mittelland ansiedelten. Ein Stamm davon waren die Helvetier, nach der Suche nach besseren Umweltbedingungen verliessen sie die Region um nach Südgallien auszuwandern. Julius Cäsar drängte sie nach einer Schlacht wieder in die alte Heimat zurück. Die Helvetier wurden von den Römern unterworfen. Die Römer als Besatzungsmacht konnten jedoch die typischen helvetischen Eigenheiten nicht mit Ihrer Kultur unterdrücken. Etwa 500 Jahre n.C verdrängten seinerseits die Allemannen die Römer und besiedelten auch unsere Region, die in der alemannischen Sprache der obere Thur-Gau hiess. Diese Gegend war nach alemannischer Tradition in zwei Hundertschaften unterteilt, eine Hundertschaft siedelte sich auf der Wasserscheide zwischen Necker und Glatt an.
883 Wolfertswil wird erstmals erwähnt. Ein Graf Richwin schenkte seine Landbesitz in Wolfridenswilare (Ort des Wolfrid, der alemannischer Name des Eigentümers der Besitzungen) mit den Einwohnern dem Kloster St.Gallen.-
1244 Das Kloster Magdenau wird gegründet. In der Folge kamen Güter von Wolfertswil, damals Wolfricheswilare genannt, durch Schenkung, Tausch und Verkäufe an das Gotteshaus. Von da an gehörten die Wolfertswiler rund 500 Jahre lang als Eigen oder Lehensleute zum Kloster Magdenau. Ihr kirchlicher Hort war die St. Verena-Kirche in Magdenau. Die weltliche Zugehörigkeit zeigte sich in der niederen Gerichtsbarkeit, welche das Kloster innehatte.
1530 Dass die Wolfertswiler nicht immer folgsam und loyal waren, bewies die Reformation. Es traten die meisten zum neuen Glauben über. Doch bereits 90 Jahre später waren wieder alle katholisch'. Das Kloster zeigte sich erkenntlich. Die Gottesdienste wurden von nun an mehrheitlich für die Laien in der Klosterkirche abgehalten. Eine grundlegende Änderung der politischen Verhältnisse trat im Zuge der Französischen Revolution ein.
1803 Mit der Gründung des Kantons St.Gallen, kam Wolfertswil politisch zu Degersheim. Die bis anhin dörflichen Organisationen und Befugnisse kamen nach und nach in den Aufgabenbereich der Gemeinde, angefangen beim Armen-, Polizei-und Strassenwesen.
1819 Das Kloster ist bereit, im «Armen Häusli» Getzt Pächterhaus St. Verena) eine Schulstube einzurichten.
1883 Gründung des Rettunscorps (Feuerwehr)
1886 Die erste Öllaterne wird im Dorf aufgestellt.
1896 Die Telefonverbindung nach Flawil kommt zustande. Da die Kosten für die Dorfschaft offenbar zu hoch waren, bezahlte kurzer hand Stickereifabrikant Dudli den Betrag und installierte in seinem Haus das erste Telefon zum allgemeinen Gebrauch. Da die Verbindung nach Degersheim wesentlich teurer gewesen wäre, ist bis zum heutigen Tag Wolfertswil mit Flawil telefonisch verbunden.
1897 Im Osten des Dorfes wurde eine Fabrik mit 12 Stickmaschinen von Wilhelm Dudli erbaut.
1902 Im Dorf wird die Trinkwasserversorgung in den Häusern eingerichtet. Die Taxe richtet sich nach der Anzahl Hahnen im Haus, dem sog. Hahnenzins.
1903 Ein privater Autokurs Flawil-Degersheim nimmt den Betrieb auf. Dieser wird aber beim Ausbruch des Ersten Weltkrieges wieder eingestellt.
1910 Das Dorf erhält den elektrischen Strom. Dies ist eine grosse Erleichterung. Auf die bisherige umständliche Dorfbeleuchtung kann verzichtet werden.
1926 Die PTT eröffnen den Postautokurs Flawil - Degersheim - Dicken .
1943-1945 Der Zweite Weltkrieg beschert dem Dorf Internierte. Vor allem alliierte Flugbesatzungen müssen das Ende des Krieges abwarten. Sie sind in den Gasthäusern Sonne und Löwen einquartiert. Unter anderem arbeiten sie an der Melioration des Rotmooses.
1952 Einweihung der Kirche in Wolfertswil. Die dem hl. Bruder Klaus geweihte Kirche entwarf Architekt Willi Schregenberger aus St.Gallen. Beeindruckend ist die zeitlose Schlichtheit der Kirchenanlage, markant der gedrungene Turm mit dem hohen Zeltdach.Eingangsgalerie, Taufkapelle und Sakristei liegen unter einem herumgezogenen Pultdach. Im Innern fällt an der Chorfront das farbintensive Gemälde von Hans Stocker auf. Es zeigt den Bruder Klaus mit symbolhafter Darstellung des Messopfers. Vom gleichen Künstler stammt die Bemalung der flachen Holzdecke. Szenen aus dem Leben des hl. Bruder Klaus gestaltete Walter Burger über den beiden Seiten altären, dem Muttergottes- und dem St.Verena-Altar. Aus den späten sechziger Jahren stammen die Mosaik-Stationenbilder von Luciano Cesco, Locarno. Die kürzlich durchgeführte Renovation gibt der stilvollen Bescheidenheit der Dorfkirche neuen Glanz.
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